Alles Legal #124: EUDI-Wallet: Chancen, offene Fragen und der Ausblick für Finanzunternehmen

Shownotes

In der fünften und letzten Folge unserer Podcastreihe zur EUDI-Wallet fassen Dana Wondra und Peter Frey die wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Dabei geht es nicht nur um die Chancen für Banken und Zahlungsdienstleister, sondern auch um zentrale offene Fragen rund um Haftung, KYC, Interoperabilität und den politischen Willen, aus der EUDI-Wallet eine Erfolgsgeschichte zu machen.

Die EUDI-Wallet soll mehr sein als ein technisches Tool. Sie ist der Versuch, eine europaweit einsetzbare und rechtlich anerkannte digitale Identitätsinfrastruktur zu etablieren. Bürger:innen behalten dabei die Kontrolle über ihre Daten (Stichwort Self-Sovereign Identity) und können sie selektiv teilen – etwa für KYC-Prozesse oder Vertragsabschlüsse.

Chancen für die Finanzbranche: Laut Peter Frey könnten Banken und Fintechs mit der Wallet standardisierte, sichere und medienbruchfreie Prozesse aufbauen – sowohl bei der Identifikation als auch bei der Authentifizierung. Das spart Zeit, Kosten und schafft neue Möglichkeiten für digitale Onboarding-Strecken. Auch die europaweite Interoperabilität könnte grenzüberschreitenden Finanzplayern entgegenkommen.

Offene Fragen: Trotz aller Vorteile gibt es rechtliche Unsicherheiten. Etwa: Müssen Zahlungsdienstleister mit jedem Wallet-Anbieter Auslagerungsverträge schließen? Und wie lässt sich die Wallet in KYC-Prozesse integrieren, wenn weder das aktuelle Geldwäschegesetz noch die kommende AML-Verordnung klare Vorgaben dazu machen? Auch bei der Haftung bleibt vieles unklar – besonders dann, wenn bei einer Wallet-Transaktion etwas schiefläuft. Hier fordert Peter Frey eine zügige gesetzliche Klärung, um das Vertrauen in das neue Ökosystem zu stärken.

Technische Baustellen und politische Dynamiken: Neben der rechtlichen Komplexität betont Peter Frey die Notwendigkeit einer einheitlichen technischen Umsetzung. Nur wenn die Wallets wirklich interoperabel sind, nutzerfreundlich funktionieren und sicher vor Cyberangriffen sind, wird sich das System im Alltag durchsetzen. Ein weiterer entscheidender Faktor: die Akzeptanz bei großen Plattformen, Behörden und Unternehmen. Ohne Integration in zentrale Use Cases droht die Wallet ein Nischenprodukt zu bleiben.

Fazit und Empfehlung: Für Unternehmen heißt es jetzt: frühzeitig Prozesse anpassen, rechtliche Einordnung prüfen und technische Schnittstellen vorbereiten. Die Wallet wird kommen und wer vorbereitet ist, kann nicht nur regulatorische Risiken minimieren, sondern auch das volle Potenzial für effiziente, digitale Produktstrecken ausschöpfen. Jetzt Podcast hören – überall, wo es Podcasts gibt.