#549: Wenn Maschinen einkaufen: Agentic Commerce zwischen Autonomie, Kontrolle und neuer Verantwortung

Shownotes

Künstliche Intelligenz verändert den digitalen Handel derzeit an einer entscheidenden Stelle: bei der Frage, wer eigentlich entscheidet. Was bislang Menschen in Shops, Apps und Wallets übernommen haben, suchen, vergleichen, auswählen, bezahlen, kann zunehmend von autonomen Systemen erledigt werden. Sogenannte KI-Agenten handeln im Auftrag von Nutzer:innen, treffen eigenständig Kaufentscheidungen und lösen Zahlungen aus. Dieser Paradigmenwechsel wird unter dem Begriff Agentic Commerce diskutiert und er berührt den Kern von Handel und Zahlungsverkehr.

Doch wie weit ist diese Entwicklung tatsächlich? Stehen wir noch vor einer Vision oder bereits am Übergang in den Alltag? Und ab wann wird Agentic Commerce für Händler überhaupt wirtschaftlich relevant? Genau hier setzt unser Gespräch mit Hella Fuhrmann von Adyen an. Sie ordnet ein, wo wir aktuell mit KI-basiertem Shopping stehen, warum der Vergleich mit der Mobile-Commerce-Revolution naheliegt und an welchen Stellen diese neue Welle deutlich tiefgreifender ausfällt.

Denn während Mobile einst lediglich das Frontend verschoben hat, greift Agentic Commerce direkt in die Entscheidungslogik des Handels ein. Nicht mehr der Mensch klickt, sondern der Agent entscheidet auf Basis von Daten, Präferenzen, Budgets, Regeln und Consent. Damit rücken Fragen in den Mittelpunkt, die bislang klar verteilt waren: Wie wird eine Zahlung autorisiert, wenn nicht mehr der Mensch selbst den Prozess auslöst? Welche Rolle spielen Tokenisierung, Identität und Mandate? Und wie verändern sich die Machtverhältnisse zwischen Big Tech, Payment-Anbietern und Händlern?

Ein zentrales Thema der Folge ist die Händlerperspektive. Wo entstehen reale Chancen, etwa bei Effizienz, Conversion oder Internationalisierung? Und wo liegen die Risiken: bei der Sichtbarkeit von Marken, beim Verlust direkter Kundenbeziehungen oder bei der Kontrolle über Daten und Touchpoints? Hella Fuhrmann spricht offen über den „Merchant-first“-Ansatz von Adyen, über neue Anforderungen an Datenqualität, Risikomanagement und Infrastruktur und darüber, wie Händler sicherstellen können, dass sie in agentengesteuerten Kaufprozessen überhaupt noch gefunden werden.

Mit zunehmender Autonomie wächst zugleich die Bedeutung von Sicherheit und Kontrolle. Wird Betrug durch KI beherrschbarer oder nur komplexer? Wo braucht es zwingend einen Menschen im Entscheidungsprozess? Was lässt sich bewusst nicht automatisieren? Und was bedeutet das für eine Payment-Infrastruktur, die unter Peak-Lasten, Netzwerkausfällen oder Systemfehlern weiterhin verlässlich funktionieren muss? Abschließend richtet der Podcast den Blick nach vorn: In welchen Branchen werden die ersten echten Agentic-Commerce-Transaktionen erwartet? Wie könnte ein konkretes Shopping-Szenario mit Agenten in der Praxis aussehen? Wie bereit ist Adyen selbst, organisatorisch, technologisch, strategisch? Und welche Prinzipien sollten Retail-Leader heute schon im Kopf haben, wenn sie ihre KI-Strategie aufsetzen? Ein Gespräch über Agentic Commerce als technologische Entwicklung und als neue Ordnungsfrage für Handel und Zahlungsverkehr.